Wissen ist und bleibt elementarer Bestandteil des Berufsbilds Steuerberater - Kanzleivision GmbH
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Wissen ist und bleibt elementarer Bestandteil des Berufsbilds Steuerberater

Sie sind Verlag und Akademie für eine Branche, die sich im Wandel befindet. Wie nehmen Sie die Entwicklungen mit Blick auf digitale Transformation bei Steuerkanzleien in den vergangenen Monaten wahr? Was hat sich verändert?

Dr. Kleyboldt: Die Steuerbranche ist bei der Digitalisierung weiter als viele andere Berufszweige. Dazu gehören auch digitale Formate und Konzepte, die ausprobiert und vereinzelt in den Arbeitsalltag integriert wurden. Von daher ist es wenig überraschend, dass viele Kanzleien jetzt schnell auf digitale Prozesse zurückgreifen bzw. umschalten konnten. Was Corona natürlich deutlich aufgezeigt hat, ist, dass die Branche sich im Spagat befindet, zwischen der Einführung neuer digitaler Prozesse und der gleichzeitigen Sicherstellung der Arbeitsfähigkeit. Dieser Spagat verlangt zuweilen etwas Geduld ab und ist unglaublich viel Arbeit. Es gibt aber auch genügend Beispiele, dass das realisierbar ist.

Aus diesem Grund hat sich sicherlich auch insbesondere bei kleinen Kanzleien noch einmal gezeigt, dass auch bei Kanzleien neben der reinen Steuerberatung ein Fokus auf der Unternehmensführung liegen muss. Am Beispiel der digitalen Transformation zeigt sich die Größe der Aufgabe, welche man nicht nebenher erledigen kann.

Sie haben eine Online-Datenbank eingerichtet und bieten Apps für Ausbildungsinhalte an. Kommende Generationen sind digitaler aufgewachsen und konsumieren auch Wissen fast ausschließlich virtuell, schnell und einfach aufbereitet in Videoformaten. Ist eine Entwicklung in diese Richtung auch für das tiefgehende, umfangreiche und dynamische Wissen für die Steuerbranche denkbar?

Fr. Willcox-Heidner: Wir setzen schon seit vielen Jahren auf ein duales Leistungsangebot – elektronisch und print-, um den Entwicklungen und der veränderten Arbeitswelt gerecht werden zu können. Video- und Audioformate haben in der heutigen Zeit natürlich absolut ihre Berechtigung in der Informationsvermittlung und werden auch schon seit einigen Jahren und zunehmend von uns genutzt. Der Bereich der Steuerberatung basiert auf einem hohen Maß an Komplexität und sich wandelnden Regularien.  Abgesehen von sehr eingegrenzten Problemstellungen wird es daher nicht damit getan sein, in einem anderthalbminütigen Video Wissen aufzubereiten. Dies ist als Einstieg, Ergänzung oder auch Teaser sicherlich adäquat, jedoch nicht, um tiefgehendes Wissen in seiner Komplexität vollständig und verständlich zu vermitteln. Es bedarf aufgrund der angesprochenen Tiefe und des Umfangs aber immer einer sauberen Aufbereitung und einem Verständnis von der Sache. Aus unserer Sicht – und das ist die Intention mit unseren Apps und der Datenbank – wollen wir der schnelllebigen Zeit Rechnung tragen und schnell und jederzeit verfügbares Wissen und Informationen liefern. Videos oder Social Media-Posts können immer nur Lust auf ein Thema machen und die Leser anteasern und Apps bzw. Webanwendungen machen das Wissen überall abrufbar.  Gerade in der Steuerberatung ist der Druck, die Arbeit richtig zu machen, sehr groß, da es mit dem Finanzamt eine Behörde am Ende der Kette gibt, die definitiv zwischen richtig und falsch unterscheiden kann.

Wissensvermittlung ist Ihr Metier. Mit digitalen Tools verändert sich die ganze Arbeitsweise. Altes Wissen wird unter Umständen durch Neues ausgetauscht oder generell einfacher zugänglich. Was bedeutet das für Ihr Akademie-Angebot. Inwieweit müssen Sie diesem Umstand gerecht werden und anpassen?

Dr. Kleyboldt: Primär liegt unser Fokus auf der Vermittlung von (Fach-)wissen für die Steuerbranche. Die digitale Transformation, die Einfluss auf die Prozesse und Arbeit innerhalb der Kanzlei und mit den Mandanten hat, können wir nur begleiten. Einzelne Schritte verändern sich und werden automatisiert oder von Lösungen übernommen, das stimmt. Am Beispiel der Steuerberechnung und der Vorkontierung zeigt sich bereits, dass diese volldigital und automatisiert dargestellt werden können. Einen Aspekt darf man aber auch wieder unter Hinzuziehung des Finanzamts nie vergessen. Fehler passieren immer wieder oder Systeme fallen aus. Aufgrund der hohen Tragweite und der Sensibilität der Daten bedarf es stets einer Plausibilitätsprüfung der Ergebnisse. Dazu ist ein grundlegendes Verständnis von dem Prozess und der Tätigkeit elementar, um Ergebnisse einordnen und erklären zu können.

Aus diesem Grund glauben wir, dass vor allem digitales Prozesswissen hinzukommt, aber dass der Steuerberater langfristig ein wissensbasierter Beruf bleiben wird.

Die Ansprüche von Nutzerinnen und Nutzern wachsen kontinuierlich. Durch die Vielzahl an digitalen Angeboten im Bereich Finanzen, Versicherungen und im Austausch legen insbesondere junge Menschen diese Erwartungshaltung im Bezug auf Schnittstellen auch in anderen Themenfeldern an. So auch im beruflichen Kontext. Halten Sie ein fehlendes digitales Angebot für einen Nachteil bzw. Ausschließlichkeitskriterium?

Frau Willcox-Heidner: Es stimmt, dass durch die Digitalisierung unseres Lebens die Anforderungen und Ansprüche sich wandeln und bezüglich Schnittstellen perspektivisch steigen werden. Aktuell und ganz sicher auch noch auf ein paar Jahre hinaus, wird es jedoch auch Mandanten mit dem berüchtigten Schuhkarton geben. Zudem kommt der Aspekt der Sicherheit hinzu und der angesprochene Spagat zwischen der Implementierung von Neuem und der Arbeitsfähigkeit im Alltag, was das Anlegen eines solch drastischen Kriteriums derzeit unwahrscheinlich macht. Auf die Kanzlei-Mandanten-Beziehung bezogen, werden die Mandanten die richtige Kanzlei finden. Zudem sind Kanzleien aus unserer Sicht oftmals die Treiber des Wandels und weniger die Mandanten.

Dennoch können und müssen wir natürlich unser Angebot kontinuierlich anpassen. In unserer Branche gehen wir von einer langfristigen Co-Existenz von Print und Digital aus, da sich beide Angebote sinnvoll ergänzen. Mithilfe von Apps und digitalen Angeboten ermöglichen wir beispielsweise ein intensiveres Lernen, Podcasts machen den Wissenserwerb lebendiger und generell ist dieses in der digitalen Welt überall abrufbar.

Auf welche Bereiche haben Sie sich in den vergangenen Monaten fokussiert? Wo gehen die Entwicklungen in den kommenden drei Jahren hin?

Dr. Kleyboldt: Ganz grundsätzlich beschäftigen wir uns seit vielen Jahren mit dem Thema und der Bedeutung der digitalen Transformation. Wir wollen unseren Beitrag zu einer vereinfachten und effizienteren Arbeitsweise leisten, um unsere Kunden so zum Erfolg zu navigieren. Aus diesem Grund haben wir uns auf die bessere Verfügbarkeit von Wissen konzentriert. Selbst wenn es digital ist und vom Handy aus abgerufen werden kann, geht es immer um einzelne konkrete Fragestellungen, die der Nutzer am Ende hat. Die Vielschichtigkeit und der Umfang des Wissens erschweren eine schnellere Antwort. Deshalb haben wir uns auf die Optimierung von Suchanfragen fokussiert und Wissen dorthin gebracht, wo es gebraucht wird. Beispielsweise durch Eingabemasken, in denen spezifisches Wissen abgefragt oder der Suchradius eingegrenzt werden kann. So sparen die Nutzer letztlich Zeit auf dem Weg zur richtigen Lösung.

Perspektivisch gesehen wird die Branche selbstredend zunehmend digitaler sein. Wir glauben, dass es letztlich auch als Folge der digitalen Transformation zu einer Konzentration von Beraterinnen und Beratern in großen Kanzleien kommen wird. Neben das steuerrechtliche Wissen tritt die Anforderung, komplexe Prozesse digital zu beherrschen. Dafür können große Kanzleien eigene Managementeinheiten bilden, die sich nur um die Prozesse und Aufgaben der Kanzlei kümmern werden. Dies wird zu einem Schub bei der Weiterentwicklung auf allen Ebenen führen. Und auch kleine Einheiten können sich hierbei unterstützen lassen und digital aufstellen. Aber ohne Digitalisierung wird es nicht gehen.

Dr. Ludger Kleyboldt

Geschäftsführer

bei NWB Verlag GmbH & Co. KG

 

Victoria Willcox-Heidner

Business Development Manager

bei NWB Verlag GmbH & Co. KG

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