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Social Media und Journalismus profitieren voneinander

Die digitale Transformation in der Steuerberatung ist seit Jahren ein Thema, hat aber erst vor 1,5 Jahren an Fahrt aufgenommen. Warum hat es so lange gedauert?

SG: Die digitale Transformation stand bereits vor Covid-19 auf der Agenda bei einigen Kanzleien, aber sie hatte längst nicht den Stellenwert in der breiten Masse. Die Gründe dafür sind durchaus vielschichtig. So ist etwa die fehlende Notwendigkeit hervorgerufen durch eine gute Auftragslage eine Erklärung für das lange Zögern in der Branche. Die zahlreichen Vorteile und das hohe Potenzial, welches eine digitale Arbeitsweise mit sich bringen wurde über lange Zeit nicht gesehen. Mit Covid-19 wuchs der Handlungsdruck jedoch enorm, da die digitale Arbeitsweise über Nacht alternativlos war, wenn man handlungsfähig bleiben wollte.

Inwieweit hat die Fachpresse das Thema aufgenommen, erweitert oder auch die Agenda verändert und somit einen Anteil am Schub?

SG: Die Digitalisierung wurde in der Vergangenheit häufig gleichgesetzt mit der Technologie an sich. Dabei bedingen sich beide Bereiche. Dabei hatten Kanzleien nicht nur teilweise ein falsches Bild vom digitalen Wandel vor Augen, sondern auch die Art der Umsetzung durchaus unterschiedlich gestaltet. Einige haben neue Technologien implementiert und auf die Weiterentwicklung allein durch die Bereitstellung gesetzt. Was vielfach jedoch auf der Strecke blieb war eine Veränderung des Mindsets. Mitarbeiter nutzen Tools nicht zum Selbstzweck oder verändern ihre Arbeitsabläufe nur aufgrund einer neuen Möglichkeit. Sie müssen überzeugt werden und den Sinn verstehen. Vor diesem Hintergrund haben wir in der REthinking Tax das Thema von Beginn an in einen ganzheitlichen Kontext eingebettet mit dem Ziel, die Menschen mitzunehmen.

Was waren bzw. sind die Ängste und Herausforderungen für den Wandel?

SG: Die größte Angst der Steuerberater ist es schlichtweg wegrationalisiert zu werden. Das mag sich absurd anhören, ist aber nachvollziehbar, wenn man sich Teile der öffentlichen Diskussion zur Zukunft unserer Arbeitswelt vor Augen führt. Wesentlich tragen dazu Studien bei, die besagen, dass bis zum Jahr 2028 rund 60 Prozent der Arbeit automatisiert sein wird. Umso wichtiger ist es, diese Zahlen in Relation zu setzen und diese Digitale Apokalypse aus den Köpfen der Berater zu bekommen. Denn was die Studien meist unterschlagen ist, dass im gleichen Atemzug mindestens genauso viele neue Tätigkeitsfelder entstehen, die noch dazu den Arbeitsalltag des Steuerberaters attraktiver und abwechslungsreicher gestalten. Eine Maschine – und sei sie noch so „intelligent“ – wird immer ein Werkzeug bleiben und kann den Nutzer entlasten. Auf diese Weise wird eine Symbiose von Mensch und Technologie, bei welcher repetitive Tätigkeiten  der Maschine obliegen und kreative Arbeiten auch weiterhin die Vorbehaltsaufgabe des Menschen bleiben werden.

Worauf es allerdings ankommt, ist die Bereitschaft zur Veränderung und zum lebenslangen Lernen. Wir müssen die Digitalisierung annehmen und akzeptieren, dass die digitale Transformation nichts ist, was vorbeigeht wie eine Erkältung. Je früher diese Einstellung übernommen wird, desto eher kann die Kanzlei von den Vorteilen profitieren.

Mit zunehmender Digitalisierung stellt sich auch die Informationsbeschaffung und die Art der Kommunikation um. Die Printwelt hat seit Jahren mit Auflagerückgängen zu kämpfen. Wie sieht Ihre Prognose im Hinblick auf den Wandel für die Fachpresse aus?

SG: Ich denke, dass wir eine ganze Zeit noch beim Papier bleiben werden. Das hat mit den haptischen Eigenschaften und der Arbeitsweise vieler Steuerberater zu tun. Außerdem werden hochwertige Inhalte auch in fünf Jahren noch geschätzt sein und guter Content kostet nun mal einfach Geld. Genau dieser Punkt der Haltbarkeit von Wissen und Information ist es, was den größten Unterschied zur nur auf den ersten Blick vermeintlichen Konkurrenz – Social Media ausmacht.

Selbstverständlich ist ein verändertes Konsumverhalten von Informationen festzustellen. LinkedIn, Twitter und Co. leben von der Schnelligkeit und der vermeintlich einfachen Vereinbarkeit mit dem Alltag. Was früher die Tageszeitung am Frühstückstisch war, kann nun in wenigen Minuten über das Smartphone in der Bahn oder nebenbei konsumiert werden. Man ist einfach schneller informiert. Bei den Aspekten der Verlässlichkeit und der Tiefe geht der Punkt aber an die Fachpresse. Die fachliche Tiefe, die in der Ausarbeitung eines steuerlichen Themas zwingend notwendig ist, lässt sich nur auf mehreren Seiten Papier oder eben online erzielen. Die Eigenschaften der sozialen Netzwerke können aber wiederum dazu beitragen, dieses Wissen an die Zielgruppe einfacher und schneller zu transportieren. Daher bin ich überzeugt, dass es eine stärkere Verknüpfung zwischen Presse und Social Media geben wird, da sich beide auf ihre Weise wunderbar ergänzen. 

Kanzleien und Unternehmen bedürfen kompetenter und unabhängiger Journalisten, um Themen einordnen zu können und einen kritischen Blick auf Entwicklungen zu erhalten. Wie sehen Sie die Presselandschaft in 3-5 Jahren?

SG: Ich glaube, dass die Steuer-Fachpresse sehr gute Bedingungen für ein Fortbestehen vorfindet. Die Zielgruppe ist es gewohnt, viel zu lesen und sich regelmäßig neues Wissen anzueignen, es besteht eine regelrechte Lust auf Information. Man könnte also sagen, es ist eine sehr dankbare Zielgruppe. Zudem habe ich das Gefühl, dass die Auflagen bzw. die Anzahl der Medien in dieser Branche in den vergangenen Jahren eher zugenommen haben.

Ganz generell kann man sagen, dass eine Beratung in solch sensiblen Bereichen nicht auf Social Media-Inhalten basieren kann und wird. Dazu bedarf es stets einer sorgfältig aufbereiteten und tiefgreifenden Auseinandersetzung mit Wissen. Social Media ist eine sinnvolle Ergänzung, Fachpresse ist und bleibt aber in der Steuerbranche auch in Zukunft unabdingbar.

Stefan Groß

Chefredakteur der Rethinking Tax und Partner bei Peters,
Schönberger & Partner

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Emre Karakas
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