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Digitalisierung – das Zeitalter der Aufklärung

30. November 2020 – Digitalisierung – für keinen anderen Begriff gibt es so viele unterschiedliche Auffassungen. Für die einen ist es das Arbeiten mit digitalen Produkten, für die anderen ist es eher abstrakt und irgendwas mit KI und für wiederum andere eine Science-Fiction Filmversion, die aus VR-Brillen und Robotern besteht.

Auch die Gefühle zu diesem Thema unterscheiden sich stark. Vorreiter sehen in der Digitalisierung eine Vereinfachung und glauben vor einem neuen Zeitalter zu stehen. Kritiker sehen darin eher eine Bedrohung für Arbeitsplätze. Doch was ist die Wahrheit? Und was ist der Grund für diesen unterschiedlichen Auffassungen?

Aus meiner Sicht schwellt das Thema seit Jahren durch die Arbeitswelt. Filme und einzelne Nachrichten von Startup Erfindungen aus der neuzeitlichen Wiege des Fortschritts, dem Silicon Valley, lassen die meisten Menschen zudem mit einem verklärten Verständnis von Digitalisierung zurück. Hinzu kommt, dass Digitalisierung etwas anderes als digitale Transformation ist und so schon erste Verwirrungen entstehen, wenn man das Buzzword „Digitalisierung“ über alles stülpt. Digitalisierung meint eigentlich die Abbildung von analogen Informationen in eine 0 und 1 Variante, während bei der Transformation zwar auch Analoges in Digitales gewandelt wird, aber man den Prozess gleichzeitig optimieren will und Probleme mit der Technologie lösen möchte.

Die meisten Arbeitgeber haben sich zu zögerlich in diesem Thema verhalten. Anfangs fehlten die überzeugenden Produkte und dann das Vertrauen und ein wenig auch der Pioniergeist. Ganz nach dem Motto, der erste Schritt ist immer der schwerste, dauerte es sehr lange, bis erste digitale Abläufe den Arbeitsprozess bereicherten. Veränderung fand sehr langsam statt.

Zugegeben, diese Art der Darstellung reicht in den Anfang des 21. Jahrhunderts zurück. Inzwischen ist viel Technologie flächendeckend installiert und viele Abläufe geschehen nicht mehr analog. Doch das Tempo unserer Entwicklung hat zugenommen. Digitale Produkte entwickeln sich rasant weiter. Deshalb gilt es, die bestehenden Prozesse stets zu überdenken und den nächsten Schritt zu gehen. Denn digital ist nicht gleich effizient. Doch da trennte sich die Spreu vom Weizen und die Innovatoren von den Skeptikern. Der unterschiedliche Kenntnisstand ließ uns unterschiedliche Auffassungen entwickeln.

Anfang des Jahres wurden viele Branchen und Unternehmen auf dem falschen Fuß erwischt und mussten sich wundern, warum trotz der vermeintlich stattgefundenen „Digitalisierung“ eine Arbeit aus dem Homeoffice beispielsweise nicht so bedenkenlos möglich war. Angefangen beim Umfang der Hardware, über Kommunikationsmöglichkeiten bis hin zur Datensicherheit. Zu diesem Zeitpunkt offenbarten sich zwei Punkte. Zum einen war die benötigte Technologie bereits vorhanden, nichts musste von Anbieterseite neu erfunden werden, allenfalls optimiert und zum anderen funktioniert es, wenn wir denn alle wollen (oder in dem Fall mussten).

Doch warum wollten alle auf einmal?

Ganz klar, weil es zur Aufrechterhaltung der Arbeitsfähigkeit beigetragen hat. Es gab keine Alternative, als zum ersten Mal der Lockdown ausgerufen wurde. Die Menschen wurden ins kalte Wasser geworfen und mussten sich halb autodidaktisch und per Leitfäden mit den neuen Tools zurechtfinden. Learning by Doing. Die Angestellten hatten überhaupt keine Zeit darüber nachzudenken, wie etwas funktioniert oder welche Konsequenzen eine neue Software für sie persönlich hat. Die „gefürchtete“ Technologie hat ihre Arbeitskraft erhalten und sogar gefördert. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben selber erfahren, wie erleichternd und vielfältig ein DMS-Tool oder Microsoft Teams sein kann. Videotelefonie hat uns persönliche Kontakte aufrechterhalten lassen.

Und die Arbeitgeber? Die haben gesehen, dass alles so weiterläuft wie vorher, aber effizienter. Aus einem Fluch wurde binnen Wochen ein Segen.

Für mich stehen wir bei der digitalen Transformation erst am Anfang. Durch die gewonnenen Erkenntnisse ist die erste Hürde genommen. Aversionen konnten abgebaut werden und die Vorteile sichtbar gemacht werden. Eine falsche Vorstellung von Technologie oder generell etwas Unbekanntem hat lange Zeit für Angst und Stillstand gesorgt. Daher bedarf es bei dem Thema weiterhin mehr Aufklärung. Das ganze Unternehmen, vom Vorgesetzten bis hin zum Praktikanten, muss besser informiert und von Beginn an in die Strategie mit einbezogen werden. Wenn wir von digitaler Transformation reden, dann meinen wir nicht virtuelle Whiteboards und Flugtaxis. Die aktuell verfügbaren Mittel geben den Angestellten ihre Kernkompetenz zurück und unterstützen sie bei ihren täglichen Tätigkeiten. Daten dienen nicht der Spionage, sondern der Sichtbarmachung von Optimierungsfeldern. Sie sorgen für eine bessere Grundlage bei der Entscheidungsfindung und sie sparen vor allem Zeit.

Digitale Transformation bedeutet zwangsläufig Veränderung. Doch wie wir gelernt haben, brauchen wir davor keine Angst zu haben. Ein besseres Verständnis sorgt für ein besseres Gefühl. Ein besseres Gefühl lässt mich offen und unbefangen Handeln. Genau diese beiden Eigenschaften benötigt jede Kanzlei, um erfolgreich den Change zu vollziehen. Offenheit für die neuen Möglichkeiten und eine neutrale Haltung dazu. Die Menschen müssen in den Fokus gerückt werden und nicht die Technologie. Die digitale Transformation ist ein Prozess, den jeder mitgestalten kann.

Wo die Wahrheit also liegt? Ich denke, wenn wir die entscheidenden Faktoren berücksichtigen, dann sind wir näher am neuen Zeitalter als an der Bedrohung.

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Christian Weiss

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