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Das richtige Mindset hilft in der Transformation und der Pandemie

In unserer Interviewreihe „5 Fragen an …“ begrüßen wir in diesem Monat Christian Lamers, Steuerberater und Partner bei WSS AKTIV BERATEN. Seit Jahrzehnten zählt die Steuer- und Wirtschaftsberatungskanzlei zu den Führenden zwischen Stuttgart und Bodensee. Wir haben mit ihm über die Veränderungen in der Branche, Kommunikation innerhalb von Kanzleien und Werte in der Beratung gesprochen.

 

Herr Lamers, ein Jahr Lockdown und veränderte Arbeitsbedingungen für die Kanzleibranche. Was hat sich getan? Wo liegen die Unterschiede zu den Vorjahren?

 

CL: Ich sehe vor allem Veränderungen in der Art und Weise der Kommunikation. Sowohl der interne als auch der externe Austausch hat sich verändert. Vor dem Lockdown waren die Abstimmungswege sehr kurz und persönlich. Aktuell findet die Kommunikation vor allem über den Bildschirm statt und bedarf der Koordination. Überlegungen eine weitere Möglichkeit des Austauschs zu schaffen, wie beispielsweise Teams, haben wir und auch viele andere Kanzleien bereits vorher bedacht. Die Notwendigkeit gab es aber wie gesagt, vorher nicht. Zudem sind uns die menschliche Komponente und der persönliche Austausch mit Mandanten und untereinander sehr wichtig und förderlich. Natürlich spüren wir in der aktuellen Phase die Vorteile der digitalen Kommunikation und können den Austausch erhalten und die Zusammenarbeit dadurch fördern, allerdings geht es auch um ein Gefühl. Das manchmal notwendige Bauchgefühl lässt sich schlicht nicht über einen Bildschirm transportieren und ist uns sehr wichtig. Daher halte ich den Gedanken der Nutzung der Synergien aus analoger und digitaler Kommunikation für die beste Lösung perspektivisch.

 

Es gab ein Umdenken innerhalb der Branche, aber auch auf Mandantenseite. Die Affinität für digitale Tools ist deutlich gestiegen, ebenso wie die Ansprüche an die Kanzleien. Was sind aktuelle Trends, die Sie beobachten können?

 

CL: Das Umdenken auf Mandantenseite hat aus meiner Sicht eher Auswirkungen für die innerbetrieblichen Prozesse als auf die Ansprüche an die Kanzleien. Durch den Lockdown ist der Fokus auf eine digitale Arbeitsweise gelegt worden, die es ermöglicht, effizient selbst in einem Extremfall arbeiten zu können. Was wir jedoch aus eigener Erfahrung wissen, ist das die Einstellung und das Mindset entscheidend zum Erfolg beitragen. Dabei spielt es weniger eine Rolle, wie alt man ist oder wie lange die Betriebszugehörigkeit ist. Junge Menschen sind nicht automatisch digital affiner als Ältere. Entscheidend ist das neben der Prozessdynamisierung durch digitale Lösungen auch die Belegschaft mitgenommen wird, denn die Transformation muss tagtäglich gelebt werden. Es nützt nichts, den Leuten das beste und neueste System zur Verfügung zu stellen, von dem wir auf dem Papier überzeugt sind, aber die Mitarbeiter*innen sehen die Vorteile nicht. Wir haben uns daher bewusst vor längerer Zeit schon für einen Workshop entschieden, der unsere Einstellung zur digitalen Transformation positiv beeinflusst hat. In der Folge stellten wir uns die Frage nach dem Nutzen für WSS und haben dementsprechend die Arbeitsweise weiter digitalisiert. Unsere Mitarbeiter*innen wollten das theoretisch erlernte selber anwenden und im Alltag austesten und einbezogen werden. Der Trend ist aus meiner Sicht demnach weniger die Tatsache, dass wir vor zu hohen Erwartungen der Kunden stehen, als vielmehr denen unserer Mitarbeiter*innen gerecht werden müssen. Erst durch die Mitarbeiter*innen wird das Umdenken in der Branche nachhaltig und flächendeckend gelebt.

 

Im Rahmen der Corona-Hilfen wird der Drang nach Beratung weiter steigen. Als Steuerberater*innen haben Sie tiefe Einblicke in die Lage von Unternehmen aller Art. Welche Werte sind nun gefordert?

 

CL: Wir sind sehr früh vom Blick in die Zukunft überzeugt gewesen. Nur wer auch nach vorne schaut, stellt sich auf die Zukunft ein. Diese Ausrichtung versuchen wir aktiv anzugehen. Das dieses Modell funktioniert und ankommt, zeigt unsere Ausgliederung einer eigenen betriebswirtschaftlichen Beratung, die sich nur mit der Unternehmensentwicklung auseinandersetzt. Unsere 5 Berater*innen leben dort gezielt unsere Mission AKTIV BERATEN. Schnelligkeit, Vertrauen und Aktivität spiegeln sich in unseren Planungen und Strategien wider. Wir machen unsere Mandanten zukunftsfähig und definieren mit ihnen die Ziele, auf die sie hinarbeiten können und berücksichtigen dabei natürlich so viele Eventualitäten wie möglich. Eine Pandemie und deren Folgen lässt sich beim besten Willen nicht einplanen, dennoch gehen wir positiv an die Aufgaben heran und sind für unsere Mandanten da. Wir sind aktiv und gehen voran. Ich glaube, diese Herangehensweise ist neben den Werten besonders gefragt.

 

Ihre Kanzlei blickt in die Zukunft und gibt seinen Mandanten Orientierung für die nächsten Schritte hinsichtlich Steuern, Finanzen, Personalmanagement und Unternehmensentwicklung. Woran orientieren Sie sich?

 

CL: Natürlich haben wir keine Glaskugel, die uns die Zukunft verrät und die Pandemie hat gezeigt, dass es auf langfristige Planungen keine Garantien gibt. Unsere jahrzehntelange Erfahrung hat uns aber gezeigt, dass wir die Wahrscheinlichkeiten erhöhen können. Wir achten auf die äußeren Einflüsse und Entwicklungen, erstellen Modelle und haben diese Aspekte sicherlich gemein mit den Wettbewerbern. Unser Ansatz blickt aber eben auch in das Innere der Unternehmen. Wenn wir die Zukunft planen wollen, müssen wir ein Ohr an den Mitarbeiter*innen haben und diese mit einbeziehen. Wir erhalten einen tiefen Einblick durch Zahlen und Daten, aber der Alltag und die Meinung der Belegschaft ist uns genauso wichtig wie die letzte Bilanz. Daher setzen wir auch auf interdisziplinäre Workshops, die den Austausch untereinander anregen und erarbeiten so gemeinsam ein zukunftsfähiges Modell für die Mandanten. So ist es am Ende eine Mischung aus den äußeren wirtschaftlichen Entwicklungen und dem Verständnis des Unternehmens.

 

Schauen wir in die Zukunft. Die digitale Transformation ist ein fortlaufender Prozess. Was erwarten Sie in den nächsten drei Jahren?

 

CL: Ich kann mir gut vorstellen, dass die Zusammenarbeit in der Pandemie-Zeit die Geschäftsbeziehungen, aber auch die interne Teamarbeit trotz der Distanz festigen kann. Gemeinsam durchlebte Krisen können Menschen zusammenschweißen. Das alleine reicht natürlich nicht aus. Die gute und zuverlässige Arbeit ist und bleibt elementar für die Beziehung, dennoch können Partnerschaften intern und extern wachsen. Der Drang nach persönlichem Austausch ist aber aus meiner Sicht sehr groß und kann nicht durch die aktuell rein digitale Arbeitsweise kompensiert werden. Mit den ersten Lockerungen werden die Büros wieder voller und aus Online- wieder Präsenztermine, wenngleich kleinere Abstimmungen wohl weiterhin virtuell geführt werden. Grundsätzlich wird sich die Kommunikation aber nachhaltig verändern. Ich rechne mit einer hybriden Arbeitswelt in der Kanzleibranche in den kommenden drei Jahren. Die Entwicklungen können wir als WSS aber durch ein attraktives Arbeitsumfeld beeinflussen. Wie bereits gesagt, manche Entscheidungen benötigen ein Bauchgefühl, welches nur durch das physische Gegenübersitzen gefühlt werden kann. Daher liegt es an uns, die Vorteile der Arbeit aus den Büros und der digitalen Kommunikation effizient zu verknüpfen und die Zukunft mitzugestalten.

 

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Christian Lamers

Partner bei
WSS AKTIV BERATEN GmbH & Co. KG

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Emre Karakas
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